Vom 31. Januar bis zum 12. April präsentiert das explorhino Science Center seinen Gästen ein ganz außergewöhnliches Erlebnis, bei dem Wissenschaft und Kunst zu einem beeindruckenden Gesamtbild verschmelzen. Unter dem Titel „The Perspective Paradox“ zeigt die Ausstellung Arbeiten des renommierten britischen Künstler Patrick Hughes, der international bekannt ist für seine sogenannten „Reverspektiven“ – dreidimensionale Raumbilder, die auf faszinierende Weise mit Raum, Perspektive und Wahrnehmung jonglieren und den Betrachter aktiv einbinden.
Patrick Hughes hat den Begriff der umgekehrten Perspektive geprägt, eine räumliche Darstellung, die die Sehgewohnheiten auf den Kopf stellt. Bei der von ihm entwickelten Technik liegen scheinbar entfernte Bildteile in Wirklichkeit am nächsten zum Betrachter. Bewegt sich dieser im Raum, scheinen sich die Bilder zu verändern, zu kippen und dem Publikum zu folgen. So entstehen nicht nur faszinierende optische Täuschungen, sondern lebendige Kunstwerke, die die eigene Wahrnehmung herausfordern und dazu einladen, die persönliche Wirklichkeit immer wieder neu zu hinterfragen.
Der Künstler selbst bringt die Essenz seiner Arbeitsweise auf den Punkt: „In is out and out is in.“ Den Widerspruch zwischen dem realen Seheindruck und unserer Vorstellung eines bekannten Objekts löst das Gehirn des Betrachtenden durch eine fiktive Drehbewegung. Der Künstler beschreibt diesen Effekt als ein psychologisches Phänomen „which shows us the world in a new way.“
Die Verbindung zwischen Patrick Huhges und dem explorhino besteht bereits seit vielen Jahren – so sind einige seiner Arbeiten fester Bestandteil der interaktiven Ausstellung des Aalener Science Centers. Umso größer ist bei den explorhino Machern nun die Freunde, im Rahmen der Sonderausstellung eine breite Palette seiner Werke präsentieren zu dürfen.
„The Perspective Paradox“zeigt vorwiegend gegenständlichen Arbeiten, die den spielerischen Umgang mit Illusion und Realität eindrucksvoll verdeutlichen. Von dahinschmelzender Zeit, die sich nicht mehr auf dem Esstisch halten kann, über kunstvoll reversperspektivisch aufbereitete Roboter und Pianos, die nicht stillstehen, bis hin zu einer Schreibmaschine, die noch auf ihren ersten Einsatz wartet, bietet sich dem Betrachter ein einmaliges Gesamtkunsterlebnis. Letzterer muss sich bei Werken wie „Hotel Hughes“ oder „Labyrinth“ nicht nur im Raum bewegen, um sie in voller Gänze bewundern zu können, gleichzeitig gilt es auch, nicht den Überblick zu verlieren.
Bis zum 12. April sind Besucherinnen und Besucher eingeladen, im explorhino nicht nur in die Welt der Naturwissenschaften, sondern auch in die der Reverspektiven einzutauchen. Passend zum Konzept des Science Centers, gilt es auch bei „The Reverse Perspective“ Kunst nicht nur zu betrachten, sondern aktiv zu erleben. So ergibt sich ein einzigartiges Zusammenspiel von Kunst, Wissenschaft und Wahrnehmung.
Informationen zur Ausstellung:
„The Perspective Paradox“ ist vom 31. Januar bis zum 12. April zu den regulären Öffnungszeiten des Science Centers zugänglich: Dienstag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr; an Wochenenden und Feiertagen: 10 bis 18 Uhr. Öffnungszeiten in den Ferien (Baden-Württemberg): Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr. Der Zugang zur Sonderausstellung ist im Eintrittspreis für das Science Center enthalten.

In seinem Londonder Atelier erschafft Patrick Hughes seine Reverspektiven – seine neuesten Arbeiten sind vom 31. Januar bis zum 12. April im Rahmen der Sonderausstellung „The Perspective Paradox“ im explorhino Science Center in Aalen zu sehen. (Quelle: Patrick Hughes)
Über den Künstler:
Die Inspiration für sein magisches Spiel mit der Perspektive stammt laut Patrick Hughes, der 1939 in Birmingham geboren wurde, von seinen Kindheitserfahrungen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, als er zum Schutz vor deutschen Fliegerangriffen stundenlang unter der Treppe ausharren musste. Dabei hatte er das umgekehrte Relief der Treppe ständig im Blick.
Schon im Jugendalter spielte Patrick Hughes in seinen Bühnenbildern für Schulaufführungen mit den Paradoxien der Perspektive. Nach dem Erfolg der Ausstellung seiner ersten Arbeiten in der Portal Gallery im Jahr 1961 übernahm er Anfang der 60er Jahre eine Lehrtätigkeit an der Bradford School of Art und dem Leeds College of Art. Während dieser Zeit schuf Hughes zwei seiner bahnbrechenden Werke: „Infinity“ (1963), inspiriert durch das Warten am Bahnhof von Leeds und dem Blick auf die Gleise, und seine erste Umkehrperspektive, den „Sticking our Room“ (1964).
Seitdem ist Hughes auf internationalen Ausstellungen vertreten und gilt heute als eine der markantesten Stimmen der zeitgenössischen britischen Kunst.
In den 70er Jahren war Hughes mit seinen Regenbogenbildern sehr populär. Diese begeisterten das Publikum mit ihrer Fröhlichkeit, Hughes hingegen ging es um den hintergründigen Witz und die Unmöglichkeit, ein Ereignis in einer festen Form darzustellen.
Nach Stationen in St. Ives und New York kehrte Hughes 1983 nach London zurück und wohnt heute in Hoxton über seinem Atelier. Durch die großen Glasfenster kann man zusehen, wie der Künstler mit seinem Team von Studioassistenten seine sog. Reverspektiven malt.
Neben seinen dreidimensionalen Bildern hat er mehrere Bücher über Sprache, Paradoxien und visuelle Wahrnehmung veröffentlicht. Werke von Patrick Hughes befinden sich in bedeutenden Sammlungen weltweit. Seine Kunst verbindet spielerischen Humor mit intellektueller Tiefe und macht diese für ein breites Publikum zugänglich.